Willkommen auf dem Blog zur Postwachstumsgesellschaft!

Diskutieren Sie mit über die Zwänge, die uns am Wachstumspfad festhalten lassen, und über alternative Entwicklungsmöglichkeiten für eine Gesellschaft, die nicht auf Wachstum angewiesen ist. Der Blog informiert aktuell über die Arbeit der Bundestags-Enquetekommission “Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität”, über Termine und aktuelle Texte zum Thema Postwachstum.

Der Blog Postwachstum wurde von Angelika Zahrnt und Irmi Seidl zum Erscheinen ihres Buches „Postwachstumsgesellschaft – Konzepte für die Zukunft” initiiert. Die Redaktion des Blogs liegt beim IÖW, dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung. Kooperationspartner sind die Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung (VÖW) und das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie.

Als Einstieg ins Thema Postwachstum möchten wir Ihnen die Einleitung des Buches “Postwachstumsgesellschaft – Konzepte für die Zukunft” empfehlen so wie den Artikel “Es ist Zeit für eine Postwachstumsgesellschaft” von Angelika Zahrnt.

Sie sind herzlich eingeladen, der Redaktion Vorschläge für Blog-Beiträge zu schicken und bestehende Beiträge zu kommentieren. Wir freuen uns auch über Hinweise zu Terminen und zu neuen Publikationen.

Kontakt zur Redaktion:
Eugen Pissarskoi
postwachstum(at)ioew.de


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7 Antworten auf Willkommen auf dem Blog zur Postwachstumsgesellschaft!

  1. Den Wachstumspfad verlassen!? Ist es nicht besser den Wachstumspfad zu verstehen?
    Wirtschaftswachstum ist doch ein Ergebnis über Raum und Zeit! Wie entwickeln sich Raum und Zeit bei E = m*c² mit E konstant? Was sind also unsere existenzielle Wachstumsbedingungen?
    Der Wirtschaftsstandort “Planet Erde” existiert nur durch die externe Energie-zufuhr der Sonne (.. eine gegenwärtige Transferunion. Was bedeutet das für die Geldschöpfung?).
    Ich habe nicht nur Fragen sondern auch Lösungen unter der Webseite http://www.mr-market.info..
    Die Pioniere der Luftfahrt verwirklichten den Traum vom Fliegen in dem sie sich mit physikalischen Faktoren beschäftigten.
    Mit frdl. Gruß

    makrologistiker

  2. Monika Peschers sagt:

    @ lieber makrologistiker
    Oft stützen wir uns in unserer Analyse oder Diskussion auf Begriffe oder Ideen, die als Axiome angenommen werden. Wenn diese Axiome aber nicht richtig sind führen sie notgedrungen zu falschen Schlüssen.
    Betrachtet man also die Grundargumentation des “unendlichen Wachstums“ in der URL http://www.mr-market.info./, auf die Sie hinweisen, liest man gleich zu Beginn folgende allgemeine Grundannahme: „Die Bedürfnisse des Menschen sind unendlich.“ Soweit ich weiß, ist dies ein Grundaxiom der heutigen Wirtschaftsevangelien.
    Diesen Satz kann ich aus meiner Lebenserfahrung und aus meinen Kenntnissen beim besten Willen nicht bestätigen. Ich würde solche Menschen als gierig bezeichnen. Aus meiner Sicht gibt es natürlich Menschen, die gierig sind oder durch Werbung gierig gemacht worden sind. Jedoch gibt es auch sehr viele, die genügsam und zufrieden leben und diesen „unendlichen Bedürfnissen“ kritisch gegenüber stehen.
    Nach dieser Meinung ist der Mensch keine Megakonsummaschine, die immer mehr und mehr Bedürfnisse entwickelt und immer mehr und mehr Konsumgüter produziert und konsumiert.
    Ich würde vorschlagen, das oben genannte Grundaxiom folgendermaßen zu ersetzen: Der Mensch ist von seiner Natur her ein Wesen, das versucht auf kreative Art sein Leben zu gestalten und sich selbst zu finden
    Was die Grenzen der Fläche betrifft, ist es selbstverständlich, dass zu Beginn der industriellen Entwicklung weder an Grenzen von Flächen noch an Grenzen von Wachstum gedacht wurde. Heute ist aber fast jedem bewusst, dass es nichts ohne Grenzen gibt, mit Ausnahme der menschlichen Arroganz.

  3. realist sagt:

    Jemand erkläre mir, wie sich die Wirtschaft vom Wachstum der Weltbevölkerung abkoppeln kann.

  4. donnergurgel sagt:

    @ realist
    - Sicherlich nicht mit der allzu weitverbreiteten negativen “can’t do” – Einstellung. Große Teile der Weltbevölkerung unterliegen gigantischen Mengen an Misinformationen und es wird wohl eine Weile dauern, bis die Spezies Mensch sich einig wird dass wir doch alle zusammen im selben Boot sitzen (auf dem selben Planeten) und am selben Strang (oder zumindest in die selbe Richtung) ziehen sollten.

  5. Suwage sagt:

    Sehr geehrte Herren, mit großem Interesse habe ich die Leitartikel in Ihrem Blog gelesen. Auch für mich stellt sich zwingend die Frage, wie 9 Mrd. Menschen auf einem Planeten leben sollen. Die Postwachstums-Bewegung scheint hier zumindest im Ansatz eine mögliche Antwort zu liefern. Zwingend stellt sich aber auch die Frage, wie die skizzierten, alternativen Wirtschafts- und Sozialformen durchgesetzt werden sollen? Da die Forderung nach einer Postwachstums-Gesellschaft im Vergleich zur aktuellen Situation radikal erscheint, wird der einzige Weg dorthin die Revolution sein, ausgelöst durch eine allgemeine Verarmung und resultierende Unzufriedenheit oder auch durch soziale Katastrophen (Krieg, Hungersnot, etc.). Eine sanfte Evolution wird ja wohl eher schwer umzusetzen sein, da sich einerseits Menschen immer gegen Veränderungen verwehren, andererseits vor allem die Wohlhabenden und Mächtigen für diese Ziele nicht zu begeistern sein werden. Wie sehen Sie das? Alternativ zur Revolution scheint mir die Durchsetzung des Postwachstumskonzeptes dann möglich, wenn dieses den Menschen besondere Anreize bietet mehr nämlich als der Kapitalismus. Betrachtet man Maslows Bedürfnispyramide finden sich an der Spitze die Individualbedürfnisse und schließlich ganz oben Selbstverwirklichung. Geht man davon aus, mit dem durch Kapitalismus (zumindest den Begünstigsten) bereitgestellten Reichtum und Wohlstand können die Individualbedürfnisse befriedigt werden, teilweise vielleicht sogar Selbstverwirklichung ermöglicht werden, wird es schwierig die Menschen zu einer Änderung der Weltanschauung und des persönlichen Verhaltens zu bewegen! Nur wenn Raum für Selbstverwirklichung in einer Postwachstums-Gesellschaft einem großen Teil der Bevölkerung zugänglich gemacht wird, ist eine evolutionäre Entwicklung meiner Meinung nach möglich. Welche Anreize bietet nun das Konzept der Postwachstums-Ökonomie und Gesellschaft den Menschen? Oder gibt es diese Anreize nicht? Mit der Bitte um Erklärung und schönen Grüßen.

  6. @suwage: vielen Dank für Deinen Kommentar. Darin stellst Du eine für die Realisierung einer Postwachstumsgesellschaft womöglich zentrale Frage: Was motiviert Menschen, eine Postwachstumsgesellschaft anzustreben?
    Deine Antwort auf diese Frage ist sicherlich nicht falsch: Die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung ist gewiss ein für viele Menschen wichtiges Lebensziel. Und alle Visionen von Postwachstumsgesellschaften kommen nicht drum herum zu erläutern, wie die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung in einer Postwachstumsgesellschaft für möglichst viele Menschen gewährt werden kann. Einige Beiträge auf dem Blog versuchen entsprechende Ansätze vorzustellen: Frigga Haug macht Vorschläge für institutionelle Veränderungen, durch welche Menschen, die Reproduktionsarbeit leisten, angemessen anerkannt werden. Das würde diesen Menschen bessere Chancen zur Selbstverwirklichung bieten.
    Und auch eine Gesellschaft, die maximale Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung ihrer Mitglieder anstrebt, müsste Fragen beantworten, durch welche Institutionen sie dies realisiert. Das alles diskutieren die Autorinnen und Autoren des Blogs.
    Bei der Beantwortung der Frage, was Menschen motiviert, eine Postwachstumsgesellschaft anzustreben, sollte aber nicht vernachlässigt werden, was eine solche Gesellschaft erstrebenswert macht (unabhängig davon, ob das, was eine Gesellschaft erstrebenswert macht, auch die Mehrheit motiviert, die Gesellschaft anzustreben): Für die Postwachstumsgesellschaft ist es die Einsicht, dass die gegenwärtige Wirtschafts- und Lebensweise nicht mit dem Ziel kompatibel ist, die planetarischen Leitplanken einzuhalten.
    Nun ist die Frage, wie eine Gesellschaft, die zum einen die planetarischen Leitplanken einhält, und zum anderen möglichst vielen Menschen attraktiv erscheint, nicht von einer Person und erst recht nicht von einem Wissenschaftler zu beantworten. Vielmehr können Antworten darauf durch eine rationale Diskussion, an der sich möglichst viele Menschen beteiligen, erst entwickelt werden. Und hierzu machen wir den Blog.

  7. Claude-Alain Perrochet sagt:

    Ein paar Gedanken zum Wachstum(zwang):

    Geld = Anspruchseinheit an das Sozialprodukt. Wachsendes Volksvermögen = steigender zukünftiger Anspruch an das Sozialprodukt. D.h. Wachstum ist notwendig, wenn ein steigendes Volksvermögen nicht rein inflationär sein soll sondern einem entsprechendem Angebot gegenüber stehen soll. Oder anders ausgedrückt: Verzicht auf Wachstum ist nur möglich, wenn das Volksvermögen nicht immer weiter wächst bzw. wachsen muss. Oder man lässt es als inflationäre Illusion nominell wachsen, ohne Gegenwert. Ist auch eine Option, aber keine nachhaltige.

    Was steckt hinter dem Vermögenswachstum? Investiert wird nur (von Ausnahmen abgesehen) wenn dies ein Vermögenswachstum verspricht: Kapital zum Zeitpunkt 0 soll kleiner sein als zum Zeitpunkt in der Zukunft. Sonst lohnt sich investieren nicht. Liquiditätshaltung wirft nominell ja mindestens 0% ab. D.h. Vermögenswachstum ist Voraussetzung für Investitionen! Damit ist die Grundlage gelegt für den (Vermögens)Wachstumszwang.

    Letztlich beginnt der Wachstumszwang mit einer Zinskala, welche bei 0% beginnt. Investieren muss immer mehr als 0% abwerfen. Ohne Vermögenswachstum nach dem Zinseszinsprinzip werden die Ersparnisse nicht investiert. Und ohne Investition der Ersparnisse öffnet sich logisch zwingend die Nachfragelücke: die Ersparnisse (=Mehreinahmen als Ausgaben) fehlen als Nachfrage. Diese Nachfragelücke muss sonst mit inflationärem Gelddrucken ausgeglichen werden. Was ja auch getan wird. Das ist aber nicht nachhaltig.

    Wie können die Kapitalerträge finanziert werden? Die Erwerbstätigen müssen mehr produzieren als sie mit ihrer Kaufkraft kaufen können. Mit dem Verkaufserlös der Güter, welche die Erwerbstätigen mit ihrer Kaufkraft nicht kaufen können, können die Kapitalerträge finanziert werden. D.h. die Erwerbstätigen produzieren den zu verteilenden Kuchen an Güter. Sie erhalten aber nur Kaufkraft um einen Teil dieses Kuchens zu kaufen. Ein Teil der Kaufkraft aus dem Güterverkauf geht an die Kapitalertragsempfänger. Die Frage ist aber: wer kauft den Markt leer? Kein Problem besteht, wenn die Kapitalertragsempfänger ihre Erträge ausgeben. Was aber, wenn das Anlagebedürfnis der Kapitalertagsempfänger ihr Konsumbedürfnis immer mehr übersteigt, sie also kein Interesse an den eigentlich für sie produzierten Güter haben? Dann muss immer mehr auf Pump der Markt geräumt werden, in dem jemand die Gelder der Kapitalertragsempfänger ausleiht und damit den Markt räumt. Wenn dies der Staat und die Konsumenten tun, ist es nicht nachhaltig, weil damit deren Schulden ansteigt, ohne je zurückbezahlt werden zu können.

    Das System funktioniert nachhaltig nur, wenn Unternehmen zur Finanzierung von Investitionen die Ersparnisse nachfragen. Damit geben Unternehmen in einer ersten Phase mehr Geld aus, als sie einnehmen. Damit können die Sparer mehr Geld einnehme als ausgeben ohne, dass die Nachfrage darunter leidet. D.h. der Markt wird geräumt. Damit aber die Unternehmen investieren, müssen sie später selbst mehr einnehmen können als sie ausgeben, also selbst zu einer Vermögensvermehrung beitragen. D.h. es braucht immer mehr Investitionsmöglichkeiten, und zwar exponentiell immer mehr. Darum muss die Wirtschaft wachsen. Vermögenswachstum ist letztlich Voraussetzung, dass der Markt immer geräumt wird. Und deshalb muss die Wirtschaft immer weiter Wachsen: zur Finanzierung des Vermögenswachstums dank immer mehr (Unternehmens)Krediten, d.h. Ausgaben auf Pump. Letztlich ein Schneeballsystem: immer mehr Kredite sind notwendig um die vorangehenden Kredite samt Zinsen bezahlen zu können. Die Verschuldung der Unternehmen muss immer zunehmen können, um das geforderte Vermögenswachstum zu ermöglichen. Produktion und Konsum sind nur Mittel zum Zweck der Finanzierung dieses monetären Wahnsinns bzw. Schneeballsystems. Dieser bestimmt die Zwänge, nicht die wirklichen materiellen Bedürfnisse der Menschen.

    Nun ändere man an diesem System ein Parameter: der garantierte Mindestzins für überschüssige Liquidität soll nicht mehr 0% betragen sondern z.B. -5%. D.h. Geldlausleihe lohnt sich auch, wenn Kapital zum Zeitpunkt t nicht grösser wird als zum Zeitpunkt 0. Ist immer noch attraktiver als -5%/Jahr für Liquiditätshortung. D.h. wenn die Nachfrage nach Krediten abnimmt, kann sich ohne “Blockade” durch einen garantierten Mindestzins von 0% ein Gleichgweichtszinssatz einpendeln zwischen Ersparnisbildung und Kreditnachfrage. Und dieser Gleichgewichtspreis kann bei 0% oder sogar darunter liegen, je nach Konjunktur. Flexibilität soll auch hier gelten, nicht nur bei den Löhnen! Dann wird womöglich weniger gespart, weil nicht mehr attraktiv. Dafür wird mehr konsumiert, womit für Unternehmen wieder Perspektiven geschaffen werden, die Kreditnachfrage zieht an, die Zinsen steigen bis zu einem neuen Gleichgewichtspreis usw. Dieser Gleichgewichtspreis wird dann bestimmt durch die effektiven Bedürfnisse der Menschen: je gesättigter, desto höher das Anlage- statt Konsumbedürfnis, d.h. desto geringer die erzielbaren Zinsen auf Ersparnisse. Wobei hier von Nettozinsen die Rede ist, d.h. ohne Risikogebühr und Bearbeitungsgebühr. An der Allokationsfunktion des Zinses, welches Risikogebühren mit einschließt, ändert sich nichts.

    0% als garantierten nominellen Mindestzins für Ersparnisse löst letztlich eine Kaskade von Sachzwängen aus, welche in die ökonomische, ökologische und soziale Sackgasse führen. 0% als garantierten Mindestzins für Ersparnisse festzusetzen ist willkürlicher, planwirtschaftlicher Nonsens. Die Folgen sind entsprechend.

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